Grenzen des Wachstums Referenten: Anne Hartzsch, Anne Schäfer |
7. Weltmodelle
Der Zweck des Weltmodells war es, herauszufinden, welche Verhaltensweisen für unser Weltsystem charakteristisch sind, wenn sich das Wachstum der zuvor beschriebenen Faktoren den Grenzen nähert. Die folgenden Simulationen sollten also keine exakten Voraussagen sein, sondern nur Hinweise auf eine charakteristische Verhaltensweise geben. Die Weltmodelle stammen aus "Die Grenzen des Wachstums" von 1972, "Die neuen Grenzen des Wachstums" von 1992 und aus "The limits to growth, the 30 year update" von 2004. Sie demonstrieren die Entwicklung der "Grenzen des Wachstums" von ihrer Entstehung bis zur Gegenüberstellung der Jahre von 1972 bis 2004. Szenario 1 "Standardlauf" von "Grenzen des Wachstums" |
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Der Standardlauf des Weltmodells zeigt die Ergebnisse der Computer-Simulation unter der Voraussetzung, dass keine größeren Veränderungen physikalischer, wirtschaftlicher und sozialer Zustände eintreten, also die Entwicklung in gleichen Tendenzen verläuft, wie sie sich jetzt abzeichnet. Alle eingespeisten variablen Größen sind die der historischen Entwicklung von 1900 bis 1970. Nahrungsmittelerzeugung, Industrieproduktion und Bevölkerungszahl steigen weiter exponentiell, bis die rasch schwindenden Rohstoffvorräte zum Zusammenbruch des industriellen Wachstums führen. Da aber zeitliche Verzögerungsfaktoren wirken, steigen Bevölkerungszahl und Umweltverschmutzung auch danach noch einige Zeit weiter an. Sinkende Nahrungsmittelversorgung und der Ausfall medizinischer Fürsorge führen zu einer steigenden Sterberate und zu einem Stopp des Bevölkerungswachstums. |
Diagramm 1 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972 , S.113 |
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Bei diesem Computerverlauf verhält sich die Menschheit auch weiterhin wie gewohnt, solange dies möglich ist. Es kommt nicht zu entscheidenden Veränderungen. Bevölkerung und Industrie wachsen weiter, bis schließlich Umweltlasten und der Mangel an natürlichen Ressourcen nicht mehr zulassen, dass der Kapitalsektor die erforderlichen Investitionen vornimmt. Das Industriekapital zerfällt rascher, als es durch Investitionen erneuert werden kann. Damit geraten auch die Nahrungsmittelversorgung und die Gesundheitsdienste in den Zustand des Zerfalls. Die Lebenserwartung nimmt ab, die Sterberate steigt. |
Diagramm 2 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Neuen Grenzen des Wachstums 199, S.166 (Die Grenzen des Wachstums 1972 , S.113) |
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Um die Aussage des Weltmodells über die verfügbaren Rohstoffreserven zu überprüfen, wurden die Rohstoffvorräte von 1900 verdoppelt. Alle anderen Größen blieben unverändert. Die Industrialisierung erreicht dann einen höheren Stand, da die Rohstoffe nicht so schnell abgebaut werden. Andererseits erzeugt die hohe Industrieproduktion eine derartige Umweltverschmutzung, dass die Absorption der Schadstoffe erheblich erschwert wird. Die Umweltverschmutzung steigt deshalb sprunghaft an und führt zu einer unmittelbaren Erhöhung der Sterberate und zu einem Rückgang der Nahrungsmittelerzeugung. |
Diagramm 3 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.114 f. |
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Wenn man die Vorräte an natürlichen Ressourcen gegenüber dem Standardlauf des Weltmodells von 1992 verdoppelt, kann die Industrie rund 20 Jahre weiter wachsen. Die Bevölkerung steigt dann bis zum Jahre 2040 auf 9 Milliarden an. Aber es entstehen auch sehr viel größere Mengen an Umweltschmutz und Schadstoffen. Das reduziert den landwirtschaftlichen Ertrag und zwingt zu immer größeren Investitionen im landwirtschaftlichen Sektor. Schließlich werden die Nahrungsmittel knapp und führen zu steigenden Sterberaten. |
Diagramm 4 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992 S.170 (Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992 S.166) |
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Szenario 2002 "reichlich erneuerbare Ressourcen vorhanden" Dieses Diagramm zeigt, dass Fortschritte im technologischen Bereich dazu beitragen können, die steigenden Kosten beim Abbau der Ressourcen zu vertagen. Die Industrie kann noch weitere 20 Jahre wie bisher wachsen. Die Bevölkerung erreicht im Jahr 2040 ihren Höhepunkt mit 8 Milliarden Menschen auf einem viel höheren Konsumlevel. Die Umweltverschmutzung steigt immens an (außerhalb des Graphen!), in der Landwirtschaft werden deshalb hohe Investitionskosten nötig. Die Bevölkerung überschreitet ihren Höchstpunkt und fällt dann wieder ab, aufgrund weniger werdender Nahrungsmittel und negativen Effekten der Umweltverschmutzung auf die Gesundheit. |
Diagramm 5 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.114, Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.170, The limits to growth, 30 year update 2004 |
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Für dieses Modell wurde angenommen, dass ab 1975 die Schadstofferzeugung auf ein Viertel des Wertes von 1970 gesenkt werden könne. Dann würden die Bevölkerung und Industrie anwachsen, bis eine Grenze durch die Größe der nutzbaren Bodenfläche gesetzt wird. Dann würde die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf zurückgehen und das Industriewachstum würde sich entsprechend dem Kapitalabfl uss in die Nahrungsmittelversorgung verringern. |
Diagramm 6 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.123 (Die Grenzen des Wachstums 1972, S.114) |
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Für dieses Szenario wurden wieder die doppelten Ressourcen wie in dem Weltmodell mit verdoppelter Ressourcenmenge seit 1900 von 1992 vorausgesetzt, gleichzeitig treten jetzt aber wirkungsvolle technologische Maßnahmen in Kraft, welche die Umweltverschmutzung pro Einheit des Industrieprodukts um jährlich 3% senken. Dennoch steigt die Umweltverschmutzung so an, dass eine landwirtschaftliche Krisensituation entsteht. Sie bindet so viel Kapital, dass die Industrieproduktion abnimmt, die Wirtschaft in Verfall gerät und der Kollaps einsetzt. |
Diagramm 7 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.206 (Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.170) |
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Vergleich/Entwicklung der Szenarien "Weltmodell mit verdoppelter Ressourcenmenge seit 1900 und kontrollierter Umweltverschmutzung/Emissionsbekämpfung" von 1972 und 1992. |
Diagramm 8 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.123, Die Neuen grenzen des Wachstums 1992, S.206 |
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Dieses Diagramm geht davon aus, dass der durchschnittliche landwirtschaftliche Ertrag von 1975 verdoppelt wird. Zusammen mit reduzierter Umweltverschmutzung und verringerter Rohstofferschöpfung führt dies dazu, dass die Bevölkerungszahl und der Grad der Industrialisierung sehr hohe Werte erreichen. Trotz der Maßnahmen zur Minderung der Umweltverschmutzung ergibt die hohe industrielle Produktion einen derartigen Verschmutzungsgrad, dass das Wachstum zum Erliegen kommt. |
Diagramm 9 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.125 (Die Grenzen des Wachstums 1972, S.123) |
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Wenn zur Technologie zur Bekämpfung der Umweltverschmutzung zusätzlich weitere technologische Maßnahmen hinzukommen, welche die Ernteerträge beträchtlich steigern, führt dies zur Degradierung der Böden. Die Landwirte erzeugen immer mehr Nahrungsmittel von immer geringeren Landflächen, dies erfordert immer mehr Kapital und überfordert den Kapitalsektor. |
Diagramm 10 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.208 (Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.206) |
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Vergleich / Entwicklung der Szenarien "Weltmodell mit verdoppelter Ressourcenmenge seit 1900, kontrollierter Umweltverschmutzung / Emissionsbekämpfung und erhöhter landwirtschaftlicher Produktivität / Ertragsförderung" von 1972 und 1992. |
Diagramm 11 Eigene Darstellung Datenquelle: Die Grenzen des Wachstums 1972, S.125, Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.208 |
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Entwicklung des Weltmodells mit den oben angenommenen Fakten von 2002 bis 2100. |
Diagramm 12 Eigene Darstellung Datenquelle: The limits to growth, 30 year update 2004 (Die Neuen Grenzen des Wachstums 1992, S.170) | ||||||||||
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